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Vegetarische und vegane Produkte in Shop und Bistro

Wichtiger Trend für Tankstellen

Text: Bernd Fiehöfer  

 

Zweifellos ernähren sich die Menschen inzwischen deutlich bewusster und achten darauf, immer gesünder zu essen und zu trinken. Im Zuge dessen wächst nicht nur die Zahl der Menschen, die Bio-Produkte kaufen, sondern derer, die den Verzehr von tierischen Produkten aufgeben und ihn durch fleischlose und pflanzenbasierte ersetzen. Dieses veränderte und wachsende Ernährungsbewusstsein der Menschen ist eine vortreffliche Chance, neue Umsätze auch an der Tankstelle zu erreichen.

Wenn vegetarische und vegane Produkte immer beliebter werden, gibt es auch für mittelständische Tankstellenunternehmer keinen guten Grund, auf deren Offensive zu verzichten, wenn es zur Kundensituation am konkreten Standort der Tankstelle passt. Dazu passt das Statement, das Wolfgang Cezane, Director Energy Stations bei Lekkerland gegenüber TANKSTOP formuliert: „Vegetarische und vegane Produkte sind keine Nische mehr, sondern sprechen eine Vielzahl an Konsument:innen an. Im LEH zeigt sich dies bereits länger und die Hersteller haben sich darauf eingestellt. Auch unterwegs sind solche Produkte immer stärker gefragt.“

„Pionierarbeit“ für Kompetenz

Eine stärkere Nachfrage bedeutet für eine Tankstelle jedoch nicht automatisch notwendigerweise Kompetenz. Auf diesen wichtigen Sachverhalt macht Duraid El Obeid, Sprint Tank GmbH, Berlin und eft-Aufsichtsratsmitglied, aufmerksam: „Da uns bewusst ist, dass erst einmal einiges an Pionierarbeit zu leisten ist, um von den Kunden das Vertrauen in unser Angebot an vegetarischen und auch veganen Produkten geschenkt zu bekommen, halten wir auch Kooperationen mit etablierten Unternehmen, die sich einem gesunden und frischen Fast Food verschrieben haben, für sinnvoll und verfolgen zukünftig auch diesen Weg.“ Kooperationen, die beispielsweise von Aral – Veggie im Rahmen des Rewe to go-Shop-Konzepts – und Shell mit der Rügenwalder Mühle mit Angeboten an deutschen Shell-Stationen mit deli2Go-Theke bereits eingegangen wurden.

Spezielle Kundengruppe

In der Tat sind Vegetarier und Veganer eine – vorsichtig formuliert – sehr spezielle Zielgruppe, deren Denken und Handeln von hohen ethisch-moralischen Ansprüchen geprägt ist. Es geht ihnen vor allem darum, Tierleid und die Zerstörung der Umwelt so gut es geht zu reduzieren sowie diesbezügliche Zustände zu verändern. Während Vegetarier auf Fleisch verzichten, lehnen Veganer tierische Produkte generell ab. Aus diesem Grund müssen auch alle Artikel aus allen anderen Lebensbereichen dieser Lebensweise entsprechen. Insbesondere junge Menschen entscheiden sich immer mehr für eine rein pflanzliche Ernährung.

Die Realität

Im von forsa erstellten Ernährungsreport 2021 werden ermittelten Resultate einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung wie folgt zusammengefasst: „Mehr als vier von zehn Befragten haben nach eigenen Angaben schon einmal (13 %) oder öfters (30 %) vegetarische oder vegane Alternativen zu tierischen Produkten gekauft – also Fleisch- oder Fischersatzprodukte wie z.µB. vegetarische oder vegane Würstchen oder vegane Fischschnitte aus Seitan oder pflanzliche Alternativen zu Trinkmilch oder Milchprodukten. Dieser Anteil ist gegenüber der Befragung vor einem Jahr etwas gesunken. 57 Prozent haben solche Produkte noch nie gekauft. Die jüngeren Befragten sowie diejenigen mit Abitur bzw. einem Hochschulabschluss äußern deutlich häufiger als die älteren Befragten und die formal geringer Gebildeten, dass sie schon öfters vegetarische oder vegane Alternativprodukte gekauft haben. Deutlich häufiger als der Durchschnitt geben dies auch die Bewohner größerer Städte mit mindestens 500µ000 Einwohnern an.“

Stufe „Erfolgsrezept“

Lekkerland stuft vegane und vegetarische Snacks im Tankstellen-Shop inzwischen als Erfolgsrezept ein. „Die Schärfung des Ernährungsbewusstsein ist für Shop-Betreiber vor allem eine Chance. Mit einem guten Angebot an veganen und vegetarischen Snacks können Sie Ihren Shop vom Wettbewerb abheben und sich neue Zielgruppen erschließen“, sagt Peter Ganghof, Vice President Foodservice, Lekkerland Deutschland GmbH & Co. KG. Nicht ohne Grund (Quelle: Lekkerland-Website). Die Präsenz von veganen und vegetarischen Produkten als Alternative ist längst unübersehbar. Zugleich wächst die Zahl vegetarischer Artikel im Shop. Einige im Bistro der Tankstelle verkauften Produkte sind vegetarische Snacks – mit Tomate, Mozzarella und Grünem belegte Brötchen oder leckere Croissaints und Laugengebäck. Lekkerland empfiehlt, dass Angebot mit folgenden Snacks zu profilieren: Pizza Margherita, Käse-Mozzarella-Fächer, Knusperstick mit Mohn, Börek-Schnecke mit Spinat, vegetarische und vegane vorkonfektionierte Sandwiches oder Wraps der Go Fresh Range, die vegane Banane-Johannisbeer-Schnitte sowie die „Green Heros“ Green Chick´n Burger oder das vegetarische Schnitzel „Green Knusper Schnitzel“.

Kundenposition

TANKSTOP hörte sich für mittelständische Tankstellenbetreiber bei Kunden um. Die Berliner Tankkundin Laura Bentz ist seit elf Jahren Veganerin und seit 15 Jahren Vegetarierin, zudem Autofahrerin mit Vorliebe für lange Strecken. Sie beschäftigt sich mit Ernährungsthemen, vor allem mit den Möglichkeiten einer globalen Ernährungssouveränität. Sie ist Masterstudentin der geographischen Entwicklungsforschung mit einem besonderen Interesse für den Klimawandel und dessen Konsequenzen.

TANKSTOP: Worin sehen Sie die wesentlichen Gründe dafür, dass der Trend, vegane und vegetarische Produkte zu kaufen, zunehmend an Fahrt gewinnt?

Laura Bentz: „Ich denke, in den letzten Jahrzehnten stieg das Bewusstsein über die Zustände der Massentierhaltung kontinuierlich. Ich lebe bereits seit elf Jahren vegan und konnte beobachten, wie im Laufe der Zeit sowohl mehr Informationsmaterialien und Berichterstattungen zu dem Thema aufgekommen sind als auch, dass sich dieser Trend in der tatsächlichen Lebensmittelbranche mittlerweile widerspiegelt und die vegane Produktvielfalt enorm zunimmt. Dieser Trend ist – denke ich – nicht nur in der moralischen Überzeugung hinsichtlich des Tierwohls begründet, sondern auch dadurch, dass der Klimawandel immer stärker in das Bewusstsein rückt und vor diesem Hintergrund die negativen Klimafolgen der Massentierhaltung stärker in den Fokus genommen werden. Zudem spielen für viele Menschen auch gesundheitliche Aspekte eine wichtige Rolle – eine vegane Ernährungsweise wird mittlerweile von vielen Expert:innen als sehr gesund eingestuft.“

TANKSTOP: Denken Sie, dass diese Produkte und die Zubereitung von Mahlzeiten mit veganen Produkten auch für Tankstellen heute wie künftig sichere Umsatzchancen generieren?

Laura Bentz: „Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Der Trend, sich vegan/vegetarisch ernähren zu wollen, wächst kontinuierlich und wird meines Erachtens künftig weiter zunehmen. Für mich ist die vegetarisch/vegane Ernährung die Ernährungsweise, die am zukunftsfähigsten ist. Somit wäre eine stärkere Fokussierung auf vegane und vegetarische Produkte auch im Tankstellenbereich durchaus sinnvoll und wirtschaftlich lukrativ.“

Hand auf Herz: Angenommen, Sie wollen an einer Tankstelle eine Rastpause einlegen und sind hungrig … Wünschen Sie sich, dort vegane und vegetarische Produkte im Angebot oder ist es für Sie ohnehin selbstverständlich?

Laura Bentz: „Leider ist es aktuell noch nicht selbstverständlich. Wenn ich unterwegs bin, muss ich feststellen, dass vegane und vegetarische Alternativen oft fehlen. Ich las gerade , dass die Deutsche Bahn zukünftig auch pflanzliche Milch als Alternative zur Kuhmilch anbieten wird. Eine solche Entwicklung wünsche ich mir auch für Tankstellen. Pflanzliche Milchalternativen sind vermutlich ein leichter Schritt, über den sich viele Kund:innen freuen. Zudem würde ich gern auch im Bistro und Restaurantbereich mehr beziehungsweise  überhaupt vegane und vegetarische Produkte zur Auswahl haben.“

Wenn Sie in einer Tankstelle vegane oder vegetarische Produkte kaufen möchten, erwarten  Sie ein persönlich ansprechendes Sortiment. Welche grundsätzlichen Empfehlungen geben Sie Betreibern von mittelständischen Tankstellen dafür?

Laura Bentz: „Ich habe das Gefühl, dass Tankstellen in diesem Bereich leider noch weit hinterherhinken. Ich könnte mir beispielsweise das Angebot von pflanzlichen Milchalternativen als einen gewinnbringenden Schritt vorstellen. Auch gibt es mittlerweile immer mehr vegetarische Schokoriegel, Süßigkeiten und gesalzene Artikel, über die sich viele bestimmt freuen würden. Es kommen immer mehr vegane und vegetarische Produkte auf den Markt, die sich leicht im Tankstellenbereich integrieren lassen – etwa vegane Bratwürste als Fleischalternative. Der generell zunehmende Trend einer vegan-vegetarischen Ernährungsweise sollte sich zukünftig auch verstärkt an Tankstellen widerspiegeln.“

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

Interessierte Tankstellenbetreiber erhalten detaillierte Informationen über pflanzliche Produkte unter anderem auf dem Webseite https://proveg.com/de/.

 

 

 

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